Theorie · Prüfungsvorbereitung · Eselsbrücken

KVR und IALA: die Theorie für die Prüfung

Sechzehn Abschnitte in Prüfungsreihenfolge: Ausweichen, Lichter und Signalkörper, Schallsignale, IALA-Betonnung, Leuchtfeuer, Navigation und Kompass, Gezeiten, Wetter, Funk und Ankern, Zahlen auswendig und die Eselsbrücken.

Eine Prüfung über die Kollisionsverhütungsregeln fragt keine Paragrafennummern ab, sie fragt die Reihenfolge des Handelns: gesehen, beurteilt, auf der richtigen Seite ausgewichen. Diese Seite ordnet die Theorie so, wie die Fragen kommen, und gibt jedem Abschnitt eine Eselsbrücke, die auch bei Aufregung hält.

Die Abschnitte gehen vom Allgemeinen ins Besondere. Zuerst die Pflichten, die immer gelten: Ausguck, sichere Geschwindigkeit, Gefahr eines Zusammenstoßes. Dann die Rangfolge beim Ausweichen und die drei Begegnungsgeometrien. Danach Lichter, Signalkörper und Schallsignale, also das Lesen der Lage bei Nacht und im Nebel. Zum Schluss die Zahlen, die auswendig verlangt werden.

Die zweite Hälfte der Seite ist das, was eine Schifferprüfung neben den Ausweichregeln fragt: IALA-Betonnung, das Lesen eines Feuers auf der Karte, Standort und Kompasskorrektur, Gezeiten, Wetter und Funk. Alles mit Bildern, denn Tonnen und Fronten bleiben über die Augen hängen, nicht über eine Liste.

Sehen, beurteilen, handeln

Die ersten Regeln aus Teil B gelten immer und für jedes Fahrzeug: es geht nicht um Rang, sondern darum, die Gefahr rechtzeitig zu sehen.

Ausguck und sichere Geschwindigkeit

Regel 5: ständiger Ausguck durch Sehen und Hören und mit allen verfügbaren Mitteln, Radar eingeschlossen. Handy, Autopilot und Gespräch im Cockpit sind kein Ausguck.

Regel 6: sichere Geschwindigkeit ist die, mit der du auf der in den Umständen nötigen Strecke stoppen kannst. Sie ergibt sich aus Sicht, Verkehrsdichte, Manövriereigenschaften, Hintergrundlichtern und Land, See- und Windzustand sowie Tiefgang gegenüber der Wassertiefe.

Besteht die Gefahr eines Zusammenstoßes

Regel 7: das Hauptzeichen ist eine gleichbleibende Peilung bei abnehmender Entfernung. Bleibt die Richtung zum anderen Fahrzeug stehen und wird es größer, lauft ihr auf denselben Punkt zu.

Eine wandernde Peilung entlastet nicht: bei sehr großen Fahrzeugen, bei Schleppverbänden und auf kurze Entfernung besteht die Gefahr trotzdem. Auch unzureichende Information zählt als Gefahr: im Zweifel besteht sie.

Wie man den Kurs ändert

Regel 8: das Manöver erfolgt rechtzeitig, ist groß genug und muss von außen erkennbar sein, auch im Radar. Eine Folge kleiner Kursänderungen ist verboten: sie ist nicht lesbar.

Eine Kursänderung liest sich besser als eine Geschwindigkeitsänderung. Passiere in sicherem Abstand und prüfe das Ergebnis, bis das andere Fahrzeug endgültig vorbei und klar ist. Wenn nötig, Fahrt wegnehmen oder stoppen: auch Anhalten ist ein Manöver.

Eselsbrücke
Sehen, beurteilen, handeln. Peilung steht, Abstand schrumpft: der Zusammenstoß ist bereits gebucht.
In der Prüfung
Lieblingsfrage: was bedeutet eine gleichbleibende Peilung. Antwort: es besteht die Gefahr eines Zusammenstoßes, Regel 7 (d).

Die Rangfolge beim Ausweichen

In jeder Prüfung dieselbe Reihenfolge: oben steht der, dem alle anderen ausweichen.

1Manövrierunfähig2In der Manövrierfähigkeit eingeschränkt3Durch den Tiefgang behindert4Beim Fischfang5Segelfahrzeug6Maschinenfahrzeug in Fahrt
Rangfolge beim Ausweichen, Regel 18

Jeder weicht allen aus, die über ihm stehen. Eine Yacht unter Motor, ein Motorboot und ein Jetski sind ein Maschinenfahrzeug, also die unterste Stufe: sie weichen fast allen aus.

Ein Wasserflugzeug und ein Bodeneffektfahrzeug halten sich von allen frei und behindern niemanden.

Eine Einschränkung zur dritten Stufe: das durch den Tiefgang behinderte Fahrzeug gehört sinngemäß in die Rangfolge, aber Regel 18 (d) verlangt von den übrigen nicht auszuweichen, sondern seine sichere Durchfahrt nicht zu behindern. Diesen Unterschied fragt die Prüfung gern.

Was kein Vorrecht gibt

Weder Größe noch Flagge noch Preis des Bootes noch örtliche Gewohnheit. Segel verliert die obere Stufe in dem Moment, in dem der Motor läuft: mit laufender Maschine ist eine Yacht ein Maschinenfahrzeug und muss tagsüber einen Kegel mit der Spitze nach unten führen.

Beim Fischfang heißt Fanggerät, das die Manövrierfähigkeit einschränkt. Eine Angel aus dem Cockpit macht aus einer Yacht kein Fischereifahrzeug.

Eselsbrücke
Manövrierunfähig, Manövrierbehindert, Tiefgang, Fischerei, Segel, Maschine: von oben nach unten, eine Zeile, sechs Stufen.
In der Prüfung
Die Falle: Segel hat immer Vorfahrt. Nein: beim Überholen weicht der Überholende aus, auch unter Segeln, und im engen Fahrwasser darf ein Segelfahrzeug ein Fahrzeug nicht behindern, das nur innerhalb der Rinne fahren kann.

Die drei Begegnungslagen

Zum Bild erwartet der Prüfer eines von drei Wörtern: entgegengesetzte Kurse, Kreuzen oder Überholen. Das Wort entscheidet die Antwort.

Entgegengesetzte Kurse, Regel 14

duder anderebeide nach Steuerbord
Beide drehen nach Steuerbord und passieren Backbord an Backbord

Nachtzeichen: du siehst beide Seitenlichter des anderen und seine Topplichter in einer Linie. Am Tag: er steht voraus oder nahezu voraus.

Beide drehen nach Steuerbord und passieren Backbord an Backbord. Die Pflicht gilt gegenseitig, auf den anderen warten ist keine Option. Im Zweifel, ob die Lage entgegengesetzt ist, handle so, als wäre sie es.

Kreuzen, Regel 15

duerhinter dem Heckhält Kurs
Fahrzeug an Steuerbord: du weichst aus und passierst hinter seinem Heck

Kreuzen sich die Kurse zweier Maschinenfahrzeuge, ist das Fahrzeug ausweichpflichtig, das das andere an Steuerbord hat. Nachts entscheidet die Farbe: du siehst sein rotes Seitenlicht, also weichst du aus. Ist der andere ein Segel-, Fischerei- oder behindertes Fahrzeug, gilt zuerst die Rangfolge der Regel 18.

Die Regel verlangt, das Kreuzen vor dem Bug zu vermeiden, sofern die Umstände es zulassen, deshalb dreht der Ausweichpflichtige nach Steuerbord und passiert hinter dem Heck. Regel 15 schreibt das Drehen nach Steuerbord nicht selbst vor: es folgt aus dem Verbot, vor dem Bug zu kreuzen, und aus Regel 8 (erkennbares Manöver). Regel 17 (c) gilt dagegen für den Kurshalter: er soll nicht nach Backbord drehen, wenn das andere Fahrzeug an Backbord steht.

Überholen, Regel 13

der Überholtedudu hältst dich frei135°
Hecksektor von 135 Grad: von dort zu kommen heißt überholen

Überholen heißt Annäherung aus mehr als 22,5 Grad achterlicher als querab. Die Nachtprobe ist einfach: du siehst nur sein Hecklicht und kein Seitenlicht.

Der Überholende hält sich frei, bis er endgültig vorbei und klar ist. Eine spätere Änderung der Peilung macht ihn nicht zum kreuzenden Fahrzeug.

Wer Kurs hält, Regeln 16 und 17

Der Ausweichpflichtige handelt frühzeitig und durchgreifend (16). Das kurshaltende Fahrzeug (der Kurshalter) hält Kurs und Geschwindigkeit (17), damit sich die Manöver nicht aufheben.

Sobald klar ist, dass der andere nicht handelt, darf der Kurshalter allein manövrieren, und wenn der Zusammenstoß durch den Ausweichpflichtigen allein nicht mehr zu vermeiden ist, muss er das. Ein Maschinenfahrzeug soll dabei nicht nach Backbord drehen, wenn das andere Fahrzeug an Backbord steht.

Eselsbrücke
Rot heißt halt, grün heißt geh: siehst du sein rotes Seitenlicht, weichst du aus, zwischen zwei Maschinenfahrzeugen. Entgegengesetzt: beide nach Steuerbord. Überholen: der Überholende weicht, immer.
In der Prüfung
Der Zweifel zwischen Überholen und Kreuzen wird zugunsten des Überholens entschieden: Regel 13 (c) verlangt anzunehmen, dass du überholst.

Lichter: woraus ein Fahrzeug nachts besteht

Es gibt nur sechs Arten von Lichtern. Alles andere sind Kombinationen, und das Bild wird über die Sektoren gelesen.

112,5°112,5°225°135°22,5°22,5°
Sichtsektoren der Lichter, Regel 21

Die sechs Bausteine

  • Topplicht: weiß, 225 Grad, nach vorn und 22,5 Grad achterlicher als querab auf jeder Seite.
  • Seitenlichter: grün an Steuerbord, rot an Backbord, je 112,5 Grad.
  • Hecklicht: weiß, 135 Grad, nach achtern.
  • Schlepplicht: gelb, mit den Eigenschaften des Hecklichts, 135 Grad, über dem Hecklicht des Schleppers.
  • Rundumlicht: 360 Grad, von überall sichtbar.
  • Funkellicht: funkelt in regelmäßigen Abständen mit 120 Funkel und mehr pro Minute.

Maschinenfahrzeug in Fahrt

von vorn gesehen (ihre Steuerbordseite links von dir)
von ihrer Steuerbordseite gesehen
von hinten gesehen
Maschinenfahrzeug von 50 m Länge und mehr

Vorderes Topplicht, zweites Topplicht achtern und höher, Seitenlichter und Hecklicht. Ein Fahrzeug unter 50 Metern darf das zweite Topplicht weglassen, deshalb deuten zwei Weiße übereinander auf ein großes Schiff.

Ein Fahrzeug unter 12 Metern darf ein weißes Rundumlicht und Seitenlichter statt Topp- und Hecklicht führen. Unter 7 Metern und bis 7 Knoten genügt ein weißes Rundumlicht, dazu Seitenlichter, wenn es praktisch möglich ist.

Wie man das Bild liest

Immer in derselben Reihenfolge: zuerst die Farben, dann die weißen Lichter, dann ihre Höhe zueinander.

  • Grün und rot zugleich: er kommt auf dich zu.
  • Nur grün: seine Steuerbordseite, er kreuzt von links nach rechts; zwischen zwei Maschinenfahrzeugen weicht er aus.
  • Nur rot: seine Backbordseite, er kreuzt von rechts nach links; zwischen zwei Maschinenfahrzeugen weichst du aus.
  • Nur weiß: du stehst wahrscheinlich in seinem Hecksektor, also überholst du.

Die Farbe entscheidet nur zwischen zwei Maschinenfahrzeugen (Regel 15). Zeigt der andere Segel, Fischerei oder eine Behinderung, gilt zuerst die Rangfolge der Regel 18.

Eselsbrücke
Die Sektoren ergeben den Kreis: 112,5 + 112,5 + 135 = 360. Das Topplicht ist um zweimal 22,5 Grad breiter als die vordere Halbkugel: 180 + 45 = 225. Seitenlicht und Topplicht enden auf derselben Grenze, und diese 22,5 Grad achterlicher als querab bilden die Überholgrenze.
In der Prüfung
Die Sektoren werden auswendig gefragt: Seitenlicht 112,5, Topplicht 225, Hecklicht 135, Rundumlicht 360, Überholgrenze 22,5 achterlicher als querab.

Paare von Rundumlichtern: wen man in Ruhe lässt

Die Prüfung liebt senkrechte Paare und Dreier aus Rundumlichtern, und die Reihenfolge der Farben dreht die Bedeutung komplett.

Was du siehstWer das istRegel
Rot über rotManövrierunfähig27 (a)
Rot, weiß, rotIn der Manövrierfähigkeit eingeschränkt27 (b)
Drei rote in einer LinieDurch den Tiefgang behindert28
Grün über weißSchleppnetzfischerei26 (b)
Rot über weißFischerei außer Schleppnetzfischerei26 (c)
Weiß über rotLotsenfahrzeug im Dienst29 (a)
Rot über grünSegelfahrzeug, freiwillige Zusatzlichter25 (c)
Ein weißes RundumlichtVor Anker, unter 50 m30 (b)
Ankerlichter plus zwei rote RundumlichterAuf Grund (tagsüber drei Bälle)30 (d)

Ein gelbes Rundumlicht über dem Topplicht bedeutet ein Luftkissenfahrzeug im nicht wasserverdrängenden Zustand, ein gelbes Licht über dem Hecklicht eines Schleppers ist das Schlepplicht, und ein rotes Funkellicht ganz oben ist ein Bodeneffektfahrzeug beim Start oder bei der Landung.

Eselsbrücke
Rot über rot, der Kapitän ist tot (manövrierunfähig). Weiß über rot, der Lotse kommt an Bord. Rot über weiß, der Fischer ohne Schleppnetz; grün über weiß, der Trawler zieht. Rot über grün, Segel im Wind.
In der Prüfung
Unterscheide das in der Manövrierfähigkeit eingeschränkte Fahrzeug (rot, weiß, rot) von Taucharbeiten aus einem kleinen Fahrzeug: Taucher führen dieselben drei Lichter und tagsüber die steife Flagge A daneben.

Signalkörper am Tag

Am Tag nützen Lichter nichts, dieselbe Nachricht tragen schwarze Figuren an gut sichtbarer Stelle.

Ball, Rhombus, Ball: in der Manövrierfähigkeit eingeschränkt
SignalkörperBedeutungRegel
Ein Ball vornVor Anker30 (a)
Drei Bälle in einer LinieAuf Grund30 (d)
Zwei Bälle in einer LinieManövrierunfähig27 (a)
Ball, Rhombus, BallIn der Manövrierfähigkeit eingeschränkt27 (b)
ZylinderDurch den Tiefgang behindert28
Kegel mit der Spitze nach untenSegelfahrzeug mit laufender Maschine25 (e)
Zwei Kegel mit den Spitzen aneinanderBeim Fischfang26 (b, c)
RhombusSchlepper und Anhang, Schleppzug länger als 200 m24 (a, e)
Steife Flagge ATaucharbeiten von einem kleinen Fahrzeug27 (e)

Signalkörper liest man wie Lichter: zwei gleiche Bälle heißen, dass das Fahrzeug durch außergewöhnliche Umstände nicht manövrieren kann, Ball mit Rhombus dazwischen heißt eingeschränkte Manövrierfähigkeit, und der Kegel spricht immer von der Maschine unter Segeln.

Eselsbrücke
Der Ball heißt Stillstand: einer vor Anker, drei auf Grund. Kegel nach unten heißt Motor unter Segeln: die Spitze zeigt auf die Maschine.
In der Prüfung
Der Kegel mit der Spitze nach unten kommt fast immer: eine Segelyacht unter Motor muss ihn führen und fällt unter die Regeln für Maschinenfahrzeuge.

Schallsignale

Ein kurzer Ton dauert etwa eine Sekunde, ein langer vier bis sechs. Die Länge ändert die Bedeutung.

Manöver- und Warnsignale, Regel 34

SignalBedeutung
Ein kurzer TonIch ändere meinen Kurs nach Steuerbord
Zwei kurze TöneIch ändere meinen Kurs nach Backbord
Drei kurze TöneMeine Maschine geht rückwärts
Fünf oder mehr kurze TöneIch verstehe deine Absicht nicht oder zweifle an deinem Manöver
Zwei lange und ein kurzerIch will dich an deiner Steuerbordseite überholen, im engen Fahrwasser
Zwei lange und zwei kurzeIch will dich an deiner Backbordseite überholen, im engen Fahrwasser
Lang, kurz, lang, kurzIch bin mit dem Überholen einverstanden
Ein langer TonIch nähere mich einer Biegung oder Strecke, auf der andere Fahrzeuge nicht zu sehen sind, Warnung

Nebelsignale, Regel 35

NebelsignalWer es gibt
Ein langer Ton, alle 2 MinutenMaschinenfahrzeug mit Fahrt durch das Wasser
Zwei lange Töne mit etwa zwei Sekunden Abstand, alle 2 MinutenMaschinenfahrzeug in Fahrt, aber ohne Fahrt durch das Wasser
Ein langer und zwei kurze, alle 2 MinutenSegel, Fischerei, Schleppen, manövrierunfähig, manövrierbehindert, tiefgangbehindert
Ein langer und drei kurze, alle 2 MinutenDas geschleppte Fahrzeug, wenn besetzt
Schnelles Läuten der Glocke fünf Sekunden lang jede MinuteVor Anker
Drei Schläge, Läuten, drei SchlägeAuf Grund
Vier kurze Töne, zusätzlich zum eigenen SignalErkennungssignal des Lotsenfahrzeugs
Eselsbrücke
Ein kurzer Ton, eine Seite: Steuerbord. Ein langer plus zwei kurze heißt ich bin ein Sonderfall: Segel, Fischerei, Schlepp und alle, die schlecht manövrieren.
In der Prüfung
Fünf oder mehr kurze Töne sind das Zweifelssignal, kein Gruß. Es gibt der, der die Absicht des anderen nicht versteht, und es ist die richtige Antwort zum Bild mit unklarem Manöver.

Verminderte Sicht, enge Fahrwasser und Verkehrstrennungsgebiete

Drei Lagen, in denen die gewohnte Ausweichlogik anders arbeitet.

Verminderte Sicht, Regel 19

Im Nebel gibt es kein kurshaltendes Fahrzeug: die Regeln darüber, wer ausweicht, gelten nicht, die Pflichten sind gegenseitig.

Fahre mit sicherer Geschwindigkeit, Maschine für sofortiges Manöver bereit. Erfasst du ein Fahrzeug nur mit Radar, entscheide, ob Gefahr besteht, und weiche rechtzeitig aus, dabei zwei Bewegungen vermeiden: Drehen nach Backbord für ein Fahrzeug vorlicher als querab, außer beim Überholen, und Drehen auf ein Fahrzeug querab oder achterlicher als querab zu.

Hörst du ein Nebelsignal vorlicher als querab und bist des Passierens nicht sicher, gehe auf die geringste Fahrt zurück, mit der du noch steuerst, und stoppe nötigenfalls ganz.

Enge Fahrwasser, Regel 9

halte deine SteuerbordseiteUferUfer
Im engen Fahrwasser die Steuerbordseite halten

Halte dich so nahe am äußeren Rand des Fahrwassers an deiner Steuerbordseite, wie es sicher und praktisch möglich ist.

Ein Fahrzeug unter 20 Metern und ein Segelfahrzeug dürfen ein Fahrzeug nicht behindern, das nur innerhalb der Rinne fahren kann. Quere das Fahrwasser nicht, wenn das ein solches Fahrzeug behindert. Ankern in einer engen Rinne ist zu vermeiden, soweit die Umstände es zulassen (Regel 9 (g)).

Verkehrstrennungsgebiete, Regel 10

TrennzoneKurs rechtwinklig
Wege mit einem Kurs rechtwinklig zur Hauptrichtung queren

Fahre im Einbahnweg in der allgemeinen Verkehrsrichtung, tritt an den Enden ein und aus, und wenn von der Seite, dann in einem möglichst kleinen Winkel.

Quere einen Einbahnweg nur mit einem Kurs rechtwinklig zur allgemeinen Verkehrsrichtung. Fahrzeuge unter 20 Metern und Segelfahrzeuge dürfen ein Maschinenfahrzeug im Einbahnweg nicht behindern; ein fischendes Fahrzeug darf jedes Fahrzeug nicht behindern, das dem Einbahnweg folgt.

Eselsbrücke
Im Nebel niemals nach Backbord: dort steht der, den du nicht siehst. Im Fahrwasser rechts halten, wie auf der Straße.
In der Prüfung
Häufige Frage: wer weicht im Nebel aus. Richtige Antwort: es gibt weder Ausweichpflichtigen noch Kurshalter, beide erfüllen die Pflichten aus Regel 19.

Tonnen und Baken: das IALA-System

Die Betonnung beantwortet eine einzige Frage: auf welcher Seite fahre ich vorbei. Die Bedeutung steckt in Farbe, Körperform und Toppzeichen.

Lateralzeichen: die Ränder des Fahrwassers

Region A: Europa, Afrika, AsienBackbordseiterotes FeuerSteuerbordseitegrünes FeuerRegion B: Amerika, Japan, KoreaBackbordseitegrünes FeuerSteuerbordseiterotes Feuer
Lateralzeichen, Regionen A und B

Die Seiten zählen in der Richtung der Betonnung: in der Regel von See in den Hafen oder in den Fluss, oder im Uhrzeigersinn um eine Landmasse. Auf der Karte steht dafür ein Pfeil.

In Region A (ganz Europa) ist Backbord eine rote Stumpftonne, Steuerbord eine grüne Spitztonne. In Region B (Amerika, Japan, Korea, Philippinen) tauschen die Farben, die Formen bleiben. Ein Zeichen für das bevorzugte Fahrwasser ist dieselbe Stumpf- oder Spitztonne mit einem Band in der anderen Farbe. Man passiert sie wie ein gewöhnliches Lateralzeichen ihrer Hauptfarbe, und das Nebenfahrwasser liegt dann auf der anderen Seite der Tonne.

Kardinalzeichen: wo das freie Wasser liegt

NordQ oder VQ, ohne PauseOstQ(3) 10s oder VQ(3) 5sSüdQ(6) + LFl 15sWestQ(9) 15s
Kardinalzeichen, die vier Quadranten

Das Zeichen heißt nach der Seite, auf der man vorbeifährt: an der Nordtonne fährt man nördlich vorbei, an der Westtonne westlich. Die Gefahr liegt auf der Gegenseite.

Die Farben kopieren die Kegel: beide Spitzen oben heißt schwarzes Band oben (Nord), beide unten heißt schwarz unten (Süd), Basis an Basis heißt schwarz oben und unten (Ost), Spitze an Spitze heißt schwarz in der Mitte (West). Das Feuer ist immer weiß und funkelnd.

12Nord: durchgehend3Ost: drei6Süd: sechs und ein langer9West: neunBlitze in der Gruppe
Zifferblatt: Blitze nach Quadrant

Nachts erkennt man die Tonne an der Zahl der Blitze, angeordnet wie die Ziffern auf der Uhr: Ost 3, Süd 6, West 9, Nord 12, also ohne Pause. Die Südtonne hängt nach den sechs Blitzen einen langen an, und genau der unterscheidet sie von der Westtonne, wenn man sich verzählt.

Einzelgefahr, sicheres Fahrwasser, Sonderzeichen und neue Gefahren

EinzelgefahrFl(2) weißsicheres FahrwasserIso, Oc, LFl 10sSonderzeichengelbes Flneue Gefahrblau und gelb im Wechsel
Einzelgefahr, sicheres Fahrwasser, Sonderzeichen und neue Gefahr
  • Einzelgefahrenzeichen: schwarz mit rotem Band, oben zwei schwarze Bälle. Sie steht direkt über einer Untiefe oder einem Felsen, um den herum tiefes Wasser liegt. Man passiert auf beiden Seiten, aber nicht dicht daneben.
  • Sicheres Fahrwasser (Mittefahrwassertonne): rote und weiße senkrechte Streifen, oben ein roter Ball. Darunter ist tiefes Wasser: sie zeigt die Fahrwasserachse, die Ansteuerung, die Mitte einer Passage. Passieren darf man auf beiden Seiten; wer sich an die rechte Seite des Fahrwassers hält, lässt sie in der Praxis an Backbord.
  • Sonderzeichen: gelb, oben ein gelbes liegendes Kreuz. Es kennzeichnet ein besonderes Gebiet oder Objekt: Kabel, Rohrleitungen, Schießgebiete, Aquakultur, Badezone. Für sich genommen verbietet es die Durchfahrt nicht und bedeutet keine nautische Gefahr; was dort gilt, steht im Handbuch und in den örtlichen Vorschriften.
  • Zeichen für neue Gefahren: blaue und gelbe senkrechte Streifen, aufrechtes gelbes Kreuz, Feuer abwechselnd blau und gelb. Eine frische Gefahr, die noch nicht in der Karte steht, meistens ein Wrack.
Eselsbrücke
Rot an Backbord, grün an Steuerbord bei der Einfahrt in Europa. Kardinal: die Kegel zeigen, wo das schwarze Band sitzt, und die Blitze stehen auf der Uhr bei 3, 6, 9, 12.
In der Prüfung
Lieblingsfrage: auf welcher Seite passiert man eine Westtonne. Antwort: westlich, Feuer Q(9) 15s, Kegelspitzen zueinander.

Leuchtfeuer und Feuerkennungen

Ein Feuer erkennt man am Rhythmus, nicht an der Helligkeit. Der Rhythmus steht als eine Zeile in der Karte.

Wie die Zeile gelesen wird

Fl(2) R 10s 12m 6M heißt: zwei Blitze in der Gruppe, rotes Feuer, der ganze Zyklus wiederholt sich alle 10 Sekunden, die Feuerhöhe beträgt 12 Meter über MHW (mittlerem Hochwasser), die Nenntragweite 6 Seemeilen. Die Nenntragweite ist nicht die Sichtweite: wie weit du das Feuer wirklich siehst, hängt zusätzlich von der Augeshöhe ab.

Kennung, Feuerhöhe, Nenntragweite und Betriebszeit stehen im Leuchtfeuerverzeichnis: viele Feuer brennen Tag und Nacht oder werden bei verminderter Sicht eingeschaltet. Benachbarte Feuer bekommen unterschiedliche Kennungen, damit man sie nicht verwechselt.

FFl 5sFl(2) 10sLFl 10sQVQIso 4sOc 4s
Feuerrhythmen: hell ist Licht, dunkel ist Pause
In der KarteNameWas man sieht
FFestfeuerbrennt gleichmäßig, ohne Pause
FlBlitzfeuer (Blz)kurzer Blitz, mehr Dunkel als Licht
Fl(2)Gruppenblitzfeuerzwei Blitze, dann Pause
Fl(2+1)zusammengesetztes Gruppenblitzfeuerzwei Blitze, Pause, ein Blitz
LFlBlinkfeuer (Blk)ein Blitz länger als 2 Sekunden
QFunkelfeuer (Fkl)50 oder 60 Blitze pro Minute
VQschnelles Funkelfeuer (SFkl)100 oder 120 Blitze pro Minute
IsoGleichtaktfeuer (Glt)Licht und Dunkel gleich lang
OcUnterbrochenes Feuer (Ubr)mehr Licht als Dunkel

Sektorenfeuer und Baken

Wo Gefahr ist, zeigt der Leuchtturm in verschiedene Richtungen verschiedene Farben: der rote Sektor ist Gefahr, grün die andere Fahrwasserseite, weiß die sichere Ansteuerung. Die Farbe wechselt beim Überfahren der Sektorgrenze, und dieser Wechsel ist das Kommando zum Abdrehen.

Leuchtbaken sind dasselbe in kleiner. Unbefeuerte Baken und Landmarken dienen der Standortbestimmung am Tag, daneben kann ein Nebelschallsignal stehen.

Eselsbrücke
Iso gleich lang, Oc weniger Dunkel, Fl weniger Licht. Q funkelt, VQ doppelt so schnell. Die Zahl in Klammern sind die Blitze der Gruppe, s die Wiederkehr, m die Feuerhöhe, M die Nenntragweite in Seemeilen. Auf deutschen Karten stehen die Kürzel Blz, Blk, Fkl, Glt, Ubr.
In der Prüfung
Verlangt wird das Vorlesen einer ganzen Kartenzeile mit Benennung des Feuers. Erst die Buchstaben, dann die Klammer, dann die Sekunden.

Gezeiten und Gezeitenströme

Im Mittelmeer und im Schwarzen Meer ist die Tide kaum zu sehen, gefragt werden Mechanismus und Rechnung trotzdem in jeder Prüfung.

Springzeit und Nippzeit

Bei Neumond und Vollmond stehen Sonne, Erde und Mond auf einer Linie, die Kräfte addieren sich und die Tiden sind am größten: Springtiden. Im ersten und dritten Viertel steht der Mond im rechten Winkel, die Kräfte ziehen sich ab und die Tiden sind am kleinsten: Nipptiden. Zwischen beiden liegen etwa 7 Tage.

Je geschlossener das Meer, desto kleiner die Tide: Dezimeter im Mittelmeer, Meter im Ozean.

Die Zwölftelregel

01/1212/1223/1233/1242/1251/126NiedrigwasserHochwasseretwa sechs Stunden dazwischen
Zwölftelregel: 1, 2, 3, 3, 2, 1 in sechs Stunden

Das Wasser steigt nicht gleichmäßig, sondern als Sinuskurve. Zwischen Hoch- und Niedrigwasser liegen etwa sechs Stunden, und der Hub verteilt sich so: 1/12 in der ersten Stunde, dann 2/12, 3/12, 3/12, 2/12, 1/12. Die Hälfte des Wassers kommt in den mittleren zwei Stunden.

Die Wassertiefe zu diesem Zeitpunkt ist die Kartentiefe (vom Kartennull gerechnet) plus Tidenhöhe. Die Unterkielfreiheit ist etwas anderes: davon werden Tiefgang und Sicherheitszuschlag abgezogen.

Gezeitenströme

Die Tidenwelle erzeugt einen Strom, der viermal am Tag kentert. Der Flutstrom setzt zur Küste, der Ebbstrom zurück zur See. Bei Hoch- und Niedrigwasser ist die Geschwindigkeit fast null, das Maximum liegt in der Mitte dazwischen.

Vor Anker heißt das: das Boot schwojt viermal täglich, bei jedem Kentern des Stroms um 180 Grad. Den Platz mit freiem Radius und mit Tiefenreserve für Niedrigwasser wählen.

Eselsbrücke
1, 2, 3, 3, 2, 1 Zwölftel in sechs Stunden. Voll- und Neumond bedeuten große Tide, die Viertel kleine.
In der Prüfung
Standardaufgabe. Niedrigwasser 0,7 m um 10:00, Hochwasser 5 m um 16:00, Kartentiefe 0,9 m, Zeit 14:00. Vier Stunden sind vergangen: (1+2+3+3)/12 vom Hub 4,3 m sind 3,2 m. Plus 0,7 und plus 0,9 ergibt 4,8 Meter Wasser.

Wetter: Fronten, Wolken, örtliche Winde

Den Bericht liest man für morgen, den Himmel liest man jetzt: Wolken und Luftdruck sprechen früher als die App.

Die Wetterkarte

Auf der Wetterkarte stehen Isobaren (Linien gleichen Drucks), Fronten und Druckgebiete. Je enger die Isobaren, desto mehr Wind. H ist Hochdruck, meist klar; L ist Tiefdruck, Bewölkung und Niederschlag. Der Wind läuft vom Hoch zum Tief.

Das wichtigste Zeichen für Wetterwechsel ist die Drucktendenz, die Änderung in drei Stunden. Schneller Fall heißt schneller Wind.

Tief und Hoch: wohin sich der Wind dreht

LTief, tiefer DruckHHoch, hoher Druckauf der Südhalbkugel drehen beide Pfeile andersherum
Tief und Hoch auf der Nordhalbkugel

Ein Tief ist ein Gebiet tiefen Drucks (L). Auf der Nordhalbkugel läuft der Wind darin gegen den Uhrzeigersinn und zieht zum Zentrum hin. Wetter: Bewölkung, Niederschlag, frischer Wind, Winddrehung beim Durchzug der Fronten.

Ein Hoch ist ein Gebiet hohen Drucks (H). Auf der Nordhalbkugel läuft der Wind darin im Uhrzeigersinn und fließt vom Zentrum weg. Wetter: klar, wenig Wind, im Sommer Hitze, im Winter Nebel.

Auf der Südhalbkugel ist alles gespiegelt: im Tief im Uhrzeigersinn, im Hoch dagegen. Nordsee, Ostsee, Mittelmeer und Schwarzes Meer liegen auf der Nordhalbkugel, dort dreht das Tief also gegen den Uhrzeigersinn.

Ein Trog ist eine ausgezogene Zunge tiefen Drucks am Tief, ein Rücken dieselbe Zunge hohen Drucks am Hoch. Im Trog dreht der Wind ruckartig.

Warmfront und Kaltfront

KaltfrontWarmfrontBö und Guss, kurzNieselregen, einen Tag und mehr
Schnitt durch die Fronten: links kalt, rechts warm

Holt die Kaltfront die Warmfront ein, entsteht eine Okklusion: gemischtes Wetter, das schnell umschlägt.

WarmfrontKaltfront
Geschwindigkeitetwa 25 km/hetwa 40 km/h, holt die Warmfront ein
Wolkenerst Zirren, dann Stratus und NimbostratusCumulonimbus, Turm nach oben
Niederschlaglanger Niesel auf 300 bis 400 kmkurzer Guss mit Gewitter auf 50 bis 70 km
Anzeichenes wird wärmer, Druck fälltSturz um 5 bis 10 Grad, Druck steigt
Dauerein bis zwei TageStunden

Wolken

Drei Stockwerke. Hoch die Zirren (cirrus) aus Eiskristallen: das erste Zeichen einer Warmfront, einen Tag im Voraus. Mittelhoch die Altowolken (alto) zwischen 2 und 6 km. Tief Stratus und Cumulus unter 2 km.

Gesondert steht der Cumulonimbus: ein senkrechter Turm mit Amboss. Darunter Bö, Gewitter, manchmal Hagel. Steht so ein Turm im Kurs, wird rechtzeitig vorher gerefft.

Örtliche Winde

Wind von Seedie See bleibt kühlLand erwärmt sichwarme Luft steigt
Seewind: er zieht von der See auf das erwärmte Land

Seewind: tagsüber erwärmt sich das Land schneller als das Wasser, die warme Luft steigt, von See strömt Luft nach. Wirkung bis etwa 10 Seemeilen vor der Küste, ungefähr von 10:00 bis 17:00, Stärke bis 15 Knoten. Nachts dreht er und weht vom Land auf die See.

Fallwind (katabatisch): nachts rutscht kalte Luft von hohen Bergen zur See hinab. Wirkung bis etwa 2 Seemeilen vor der Küste. Übliche Böen 40 bis 60 Knoten, in einzelnen Gebieten bis 100. Deshalb ankert man nicht dicht unter einer hohen Steilküste.

Wahrer und scheinbarer Wind

Der wahre Wind (TWS für die Stärke, TWD für die Richtung) ist der Wind über dem Wasser. Der scheinbare Wind (AWS, AWA) ist das, was das Fahrzeug in Fahrt spürt: der wahre Wind plus der Fahrtwind aus der eigenen Bewegung.

Am Steg sind beide gleich. In Fahrt kommt der scheinbare Wind immer weiter von vorn und wirkt auf spitzen Kursen stärker. Deshalb hält ein Windpilot den Winkel zum scheinbaren Wind, während die Vorhersage immer den wahren Wind meint.

Eselsbrücke
Stell dich mit dem Rücken in den Wind: auf der Nordhalbkugel liegt der tiefe Druck links (barisches Windgesetz nach Buys-Ballot). Tief gegen den Uhrzeigersinn und nach innen, Hoch im Uhrzeigersinn und nach außen. Zirren am Abend, Warmfront am Morgen. Ein Cumulonimbus-Turm bedeutet eine Bö innerhalb einer Stunde.
In der Prüfung
Der Unterschied der Fronten kommt fast immer: warm heißt langer Niesel und langsame Erwärmung, kalt heißt kurzer, harter Guss mit Bö und Temperatursturz.

Funk, Ankern, Mann über Bord

Die Prüfung misst keine Redekunst, sondern Reihenfolge: welcher Kanal, welche Worte, in welcher Folge.

UKW und die Kanäle

Sendeleistung 1 oder 25 Watt, die Reichweite hängt an der Antennenhöhe und liegt bei einigen zehn Seemeilen. Drei Stufen: MAYDAY (Gefahr für Leben), PAN-PAN (Dringlichkeit ohne Lebensgefahr), SÉCURITÉ (Sicherheit: Wetter, Warnung).

KanalWofür
16Not, Dringlichkeit und Anruf, ständige Hörbereitschaft
70digitaler Selektivruf DSC, Sprechen verboten
06Schiff zu Schiff, auch mit SAR-Luftfahrzeugen
13Brücke zu Brücke, Sicherheit der Navigation
09, 67, 72, 73, 77Arbeitskanäle, Marinas, nichtgewerblicher Verkehr

MAYDAY: die Reihenfolge der Worte

Zuerst der DSC-Alarm auf Kanal 70, dann der Sprechfunkspruch auf Kanal 16: MAYDAY dreimal, dann der Reihe nach: hier ist der Schiffsname dreimal, Rufzeichen und MMSI, MAYDAY und der Schiffsname einmal, Position (Koordinaten oder Peilung und Abstand zu einem bekannten Objekt), was passiert ist, welche Hilfe gebraucht wird, wie viele Personen an Bord sind, weitere Angaben und das Wort Over.

Ein Fehlalarm muss widerrufen werden, und zwar so: Mayday, All stations dreimal, hier ist (Schiffsname, Rufzeichen, MMSI-Nummer), cancel my distress alert of (Uhrzeit in UTC). Hörst du einen fremden MAYDAY, den die Küstenfunkstelle offensichtlich nicht hört, gibst du ihn als MAYDAY RELAY weiter.

Das Buchstabieralphabet

Schiffsname, Rufzeichen und Position werden buchstabiert: im Funk sind B und D nach Gehör nicht zu unterscheiden. Das Alphabet ist international, die Marinas arbeiten mit demselben.

BuchstabeWortAusspracheBuchstabeWortAussprache
AAlfaAL fahNNovemberno WEM ber
BBravoBRA woOOscarOSS kar
CCharlieTSCHAR liPPapapa PA
DDeltaDELL taQQuebecke BECK
EEchoECK oRRomeoRO mi o
FFoxtrotFOKS trottSSierrasi ER ra
GGolfGOLFTTangoTANG go
HHotelho TELLUUniformJU ni form
IIndiaIN di aVVictorWIK tor
JJuliettDSCHU li ettWWhiskeyWISS ki
KKiloKI loXX-rayEKS rej
LLimaLI maYYankeeJANG ki
MMikeMAIKZZuluSU lu

Ankern

Den Platz wählt man nach vier Dingen: Schutz laut Vorhersage für morgen, gleichmäßige Tiefe ohne Stufen, Grund (Sand gut, Fels und Korallen schlecht) und keine Kabel oder Rohre in der Karte.

Kette mindestens fünfmal die Wassertiefe. In den Wind aufkommen, Fahrt wegnehmen, Anker fallen lassen und die Kette rückwärts fierend auslegen, damit sie am Grund liegt und nicht unter dem Boot türmt. Danach rückwärts bis 2000 Umdrehungen: stehen die Landmarken still, hält der Anker. Zum Schluss Ankerlicht an und Ankeralarm setzen.

Aufgehen: bis über den Anker fahren, damit die Kette senkrecht steht, dann hieven. Ändert sich das Geräusch der Winde, stoppen: die Kette liegt unter dem Boot oder der Anker hakt.

Mann über Bord

Der Ablauf wird wörtlich gelernt: Mann über Bord rufen, Rettungshufeisen mit Boje werfen, einen Ausguck bestimmen, der die Person nicht aus den Augen lässt und mit dem Arm zeigt, MOB am Plotter drücken, zurückkehren und von Lee mit langsamer Fahrt anlaufen. Über Funk ist das ein MAYDAY mit den Worten Mann über Bord.

Zwei Knoten, die gefragt werden

Der Palstek: eine feste Schlaufe am Ende der Leine. Sie zieht sich unter Last nicht zu und lässt sich danach wieder öffnen. Damit reicht man einer Person im Wasser das Ende, schlägt die Schot an oder legt eine Schlaufe über die Klampe.

Der Fenderknoten (Webeleinstek an der Relingsstütze): er hält den Fender so, dass sich die Höhe mit einer Hand verstellen lässt und der Knoten nicht an der Bordwand nach unten rutscht.

Kommandos an den Leinen

Zu sich heran: durchsetzen (bis zum Anschlag steifholen, wenn nötig über die Winsch), nachsetzen (etwas straffer holen als jetzt), Lose aufnehmen (den Durchhang ohne Winsch wegnehmen), belegen (unter Spannung auf Klampe oder Stopper festmachen).

Von sich weg: fieren (kontrolliert bis auf null Spannung nachlassen), auffieren (ein wenig lockern), aufstoppen (den Rücklauf mit Reibung an der Klampe abbremsen), loswerfen (ganz freigeben).

Eselsbrücke
MIPDANIO: Mayday, Identification, Position, Distress, Assistance, Number of people, Information, Over.
In der Prüfung
Die Kanäle werden auswendig gefragt: 16 Not und Anruf, 70 digitaler Ruf, 06 Schiff zu Schiff, 13 Sicherheit der Navigation.

Die Zahlen, die auswendig gefragt werden

Ein Dutzend Zahlen deckt fast alle Gedächtnisfragen ab.

ZahlWorum es geht
112,5°Sektor jedes Seitenlichts
225°Sektor des Topplichts
135°Sektor des Hecklichts
22,5°Achterlicher als querab: Überholgrenze und Rand des Topplichtsektors
6 SeemeilenTopplicht eines Fahrzeugs von 50 m und mehr
5 SeemeilenTopplicht eines Fahrzeugs von 12 bis 50 m (3 Seemeilen unter 20 m)
3 SeemeilenSeiten- und Hecklicht eines Fahrzeugs von 50 m und mehr
2 SeemeilenSeitenlichter von 12 bis 50 m, Hecklicht und Rundumlicht unter 12 m
1 SeemeileSeitenlichter eines Fahrzeugs unter 12 m
7 mBis zu dieser Länge und 7 Knoten genügt ein weißes Rundumlicht
12 mUnter dieser Länge gelten die Erleichterungen bei Lichtern und Signalen
20 mUnter dieser Länge darf man in Rinnen und Wegen nicht behindern
50 mAb dieser Länge ist das zweite Topplicht Pflicht
100 mAb dieser Länge kommt vor Anker und auf Grund der Gong achtern dazu
200 mSchleppzuglänge, die drittes Topplicht und Rhombus verlangt
2 MinutenAbstand der Nebelsignale in Fahrt
1 MinuteAbstand der Signale vor Anker und auf Grund
120 pro MinuteMindestfrequenz eines Funkellichts
Eselsbrücke
Die Tragweiten gehen treppab: 6, 5, 3, 2, 1. Die Längen gehen treppauf: 7, 12, 20, 50, 100, 200.
In der Prüfung
Am häufigsten gefragt sind drei Zahlen: 112,5 Grad für das Seitenlicht, 2 Minuten für das Nebelsignal und 200 Meter für die Schleppzuglänge.

Alle Eselsbrücken auf einen Blick

Alles, was wörtlich sitzen soll, in einer Liste: vor der Prüfung in einer Minute gelesen.

  • Manövrierunfähig, Manövrierbehindert, Tiefgang, Fischerei, Segel, Maschine: die Rangfolge von oben nach unten.
  • Rot heißt halt, grün heißt geh: sein rotes Seitenlicht heißt, du weichst aus, zwischen zwei Maschinenfahrzeugen.
  • Rot über rot, der Kapitän ist tot: manövrierunfähig.
  • Weiß über rot, der Lotse kommt an Bord.
  • Rot über weiß, der Fischer ohne Schleppnetz; grün über weiß, der Trawler zieht.
  • Rot über grün, Segel im Wind.
  • Der Ball heißt Stillstand: einer vor Anker, drei auf Grund.
  • Kegel nach unten, Motor unter Segeln.
  • Ein kurzer nach Steuerbord, zwei kurze nach Backbord, drei kurze rückwärts, fünf kurze verstehe nicht.
  • Im Nebel niemals nach Backbord.
  • Im Zweifel überholst du, also hältst du dich frei.
In der Prüfung
Vor dem Prüfungsraum diese Liste und ein Kartenstapel im Kontrollmodus: das reicht, um die ganze Seite zurückzuholen.

Danach schließe den Kreis: Lichterbilder ansehen, Signale anhören und mit den Karten festigen. Der Trainer hat drei Modi: Wiederholung, Kontrolle und Prüfung mit zwanzig Fragen.

Alle 38 Regeln, jede auf eigener Seite

Häufige Fragen

Womit fange ich bei der KVR-Vorbereitung an?

Mit den drei Begegnungslagen und der Rangfolge beim Ausweichen. Sie beantworten etwa die Hälfte der Fragen: der Rest ist das Erkennen von Lichtern und Signalen.

Welche Eselsbrücken helfen wirklich?

Drei Lichterpaare: weiß über rot ist der Lotse, rot über weiß ist Fischerei außer Schleppnetzfischerei, rot über rot ist manövrierunfähig. Dazu ein Satz für die Rangfolge: Manövrierunfähig, Manövrierbehindert, Tiefgang, Fischerei, Segel, Maschine.

Was antworte ich, wenn das Bild Überholen oder Kreuzen sein könnte?

Überholen, und du weichst aus. Regel 13 (c) sagt es wörtlich: im Zweifel gilt, dass du überholst.

Wie viele Zahlen muss ich auswendig können?

Etwa zehn: die Sektoren 112,5, 225, 135 und 22,5 Grad, die Tragweiten 6, 5, 3 und 2 Seemeilen, die Längen 12, 20, 50 und 200 Meter und den Abstand von 2 Minuten zwischen Nebelsignalen.

Auf welcher Seite passiert man eine Kardinaltonne?

Auf der Seite, nach der sie benannt ist: die Nordtonne wird nördlich passiert, die Osttonne östlich, die Südtonne südlich, die Westtonne westlich. Nachts zählt man die Blitze wie Ziffern auf dem Zifferblatt: 3 bei Ost, 6 plus ein langer Blitz bei Süd, 9 bei West, durchgehend bei Nord.

Was bedeutet Fl(2) R 10s 12m 6M auf der Karte?

Zwei Blitze in der Gruppe, rotes Feuer, der Zyklus wiederholt sich alle 10 Sekunden, die Feuerhöhe beträgt 12 Meter über MHW und die Nenntragweite 6 Seemeilen.